In vielen Bereichen des Arbeitsschutzes zeigen EN- und ISO-Normen, wofür ein Produkt geprüft wurde und gegen welche Risiken es schützen kann. Hier finden Sie die wichtigsten Normen nach Produktbereich einfach und verständlich erklärt.
1. Handschutz – Welche Normen gelten für Schutzhandschuhe?
EN ISO 21420 ist die Grundnorm für Schutzhandschuhe. Sie regelt allgemeine Anforderungen wie Ergonomie, Passform, Materialunbedenklichkeit, Kennzeichnung und die vom Hersteller bereitzustellenden Informationen.
EN 388 gilt für Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Bewertet werden je nach Kennzeichnung unter anderem Abriebfestigkeit, Schnittschutz, Weiterreißfestigkeit, Durchstichfestigkeit sowie gegebenenfalls TDM-Schnittschutz und Stoßschutz.
EN 407 beschreibt Handschuhe und andere Handschutzausrüstungen gegen thermische Risiken wie Kontaktwärme, Konvektionswärme, Strahlungswärme, kleine Flammen, Spritzer geschmolzenen Metalls oder größere Metallspritzer.
EN 511 gilt für Schutzhandschuhe gegen Kälte. Diese Norm ist besonders relevant für Arbeiten im Winter, in Kühlhäusern oder in dauerhaft kalten Arbeitsbereichen.
EN 12477 betrifft Schutzhandschuhe für Schweißer. Diese Handschuhe vereinen Anforderungen an Hitzeschutz und mechanische Belastbarkeit.
EN 659 ist die Norm für Feuerwehrschutzhandschuhe. Sie ist für Spezialanwendungen im Feuerwehrbereich relevant und geht deutlich über klassische Arbeitshandschuhe hinaus.
EN ISO 374-1 ist die zentrale Norm für Schutzhandschuhe gegen gefährliche Chemikalien und Mikroorganismen. Sie beschreibt Terminologie und Leistungsanforderungen bei chemischen Risiken.
EN ISO 374-2 betrifft den Widerstand gegen Penetration. Dabei geht es darum, ob Flüssigkeiten oder Mikroorganismen durch Löcher, Poren oder Undichtigkeiten eindringen können.
EN ISO 374-4 beschreibt den Widerstand gegen Degradation durch Chemikalien. Sie zeigt also, wie stark ein Handschuhmaterial durch Kontakt mit Chemikalien verändert oder angegriffen wird.
EN ISO 374-5 gilt für Handschuhe gegen Mikroorganismen und ist besonders wichtig in Bereichen mit biologischen Risiken.
EN ISO 16523-1 ist eine Prüfgrundlage zur Bestimmung des Widerstands von Handschuhmaterialien gegen die Permeation von Chemikalien unter Dauerkontakt. Diese Norm ist technisch, aber für die Bewertung von Chemikalienschutzhandschuhen sehr relevant.
EN 421 betrifft Schutzhandschuhe gegen ionisierende Strahlung und radioaktive Kontamination. Diese Norm spielt nur in speziellen Einsatzbereichen eine Rolle.
EN 16350 wird häufig bei Handschuhen mit elektrostatischen Eigenschaften genannt, etwa für den Einsatz in bestimmten explosionsgefährdeten Bereichen oder bei ableitfähigen Anforderungen.
Wichtig: Nicht jede Norm ist für jede Tätigkeit relevant. Ein Handschuh kann sehr gut gegen mechanische Risiken geeignet sein, aber nicht gegen Chemikalien, Kälte oder Hitze.
2. Augenschutz – Welche Normen gelten für Schutzbrillen und Gesichtsschutz?
EN 166 ist die Grundnorm für persönlichen Augenschutz. Sie beschreibt die allgemeinen Anforderungen an Schutzbrillen und Gesichtsschutzgeräte.
EN 167 enthielt die optischen und EN 168 die nichtoptischen Prüfverfahren für Augenschutz. Beide wurden inzwischen durch die Normenreihe EN ISO 18526 ersetzt.
EN 169 gilt für Schweißerschutzfilter und verwandte Anwendungen.
EN 170 betrifft UV-Schutzfilter und EN 171 Infrarotschutzfilter.
EN 172 beschreibt Sonnenschutzfilter für den betrieblichen Gebrauch, zum Beispiel bei Arbeiten im Freien.
EN 175 ist relevant für Augen- und Gesichtsschutz beim Schweißen und bei verwandten Verfahren.
EN 207 und EN 208 betreffen Laserschutz beziehungsweise Laserjustierbrillen.
EN 379 gilt für automatische Schweißerschutzfilter.
EN 1731 ist für Augen- und Gesichtsschutzgeräte aus Netzgewebe relevant, etwa bei bestimmten Forst- oder Freischneideanwendungen.
3. Gehörschutz – Welche Normen gelten für Ohrstöpsel und Kapselgehörschutz?
EN 352 ist die zentrale Normenreihe für Gehörschutz.
EN 352-1 gilt für Kapselgehörschützer.
EN 352-2 gilt für Gehörschutzstöpsel.
EN 352-3 gilt für an Helm oder Gesichtsschutz befestigte Kapselgehörschützer.
EN 352-4 betrifft pegelabhängig dämmende Kapselgehörschützer.
EN 352-5 betrifft Kapselgehörschützer mit aktiver Geräuschkompensation.
EN 352-6 betrifft Kapselgehörschützer mit sicherheitsrelevantem Audioinput.
EN 352-7 betrifft pegelabhängig dämmende Gehörschutzstöpsel.
EN 352-8 betrifft Kapselgehörschützer mit Audiounterhaltungseingang.
EN 352-9 betrifft Gehörschutzstöpsel mit sicherheitsrelevantem Audioinput.
EN 352-10 betrifft Gehörschutzstöpsel mit Audiounterhaltungseingang.
Wichtig: Für die Auswahl im Arbeitsalltag ist entscheidend, dass der Gehörschutz zur tatsächlichen Lärmbelastung passt.
4. Kopfschutz – Welche Normen gelten für Schutzhelme und Anstoßkappen?
EN 397 ist die klassische Norm für Industrieschutzhelme. Sie ist wichtig für Baustelle, Industrie, Lager und viele gewerbliche Einsatzbereiche.
EN 812 gilt für Industrie-Anstoßkappen. Diese schützen vor leichten Kopfverletzungen durch Anstoßen, ersetzen aber keinen Schutzhelm nach EN 397.
EN 50365 betrifft elektrisch isolierende Helme für Arbeiten an oder in der Nähe von Niederspannungsanlagen.
EN 14052 betrifft Hochleistungs-Industrieschutzhelme für höhere Anforderungen.
EN 12492 ist vor allem aus dem Bergsport bekannt, kann aber je nach Anwendungsfall ebenfalls eine Rolle spielen.
5. Atemschutz – Welche Normen gelten für FFP-Masken, Halbmasken und Filter?
EN 149 gilt für partikelfiltrierende Halbmasken wie FFP1, FFP2 und FFP3.
EN 140 betrifft Halbmasken und Viertelmasken mit austauschbaren Filtern.
EN 136 gilt für Vollmasken.
EN 143 beschreibt Partikelfilter.
EN 14387 gilt für Gasfilter und Kombinationsfilter.
EN 1827 betrifft Halbmasken ohne Einatemventile und mit trennbaren Filtern gegen Gase, Partikel oder beides.
EN 12941 und EN 12942 betreffen Gebläsefiltergeräte mit unterschiedlichen Atemanschlüssen.
EN 14594 gilt für Druckluft-Schlauchgeräte mit kontinuierlichem Luftstrom.
EN 14683 betrifft medizinische Gesichtsmasken. Diese sind nicht mit FFP-Atemschutz nach EN 149 gleichzusetzen.
6. Fußschutz – Welche Normen gelten für Sicherheitsschuhe und Berufsschuhe?
EN ISO 20345 gilt für Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe, geprüft mit 200 Joule Stoßenergie.
EN ISO 20347 gilt für Berufsschuhe ohne Zehenschutzkappe.
Bekannte Kennzeichnungen wie S1, S2, S3 oder neuere Klassen wie S1PL und S3L beschreiben die jeweilige Ausstattung des Schuhs. S1 umfasst unter anderem geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich, S2 zusätzlich Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme, S3 zusätzlich Durchtrittschutz und profilierte Laufsohle. Die Rutschhemmung wird separat gekennzeichnet.
Wichtig: Welche Klasse passend ist, hängt immer vom konkreten Arbeitsplatz und den dortigen Risiken ab.
7. Warnschutz und Wetterschutz – Welche Normen gelten für Warnkleidung und Regenbekleidung?
EN ISO 20471 ist die wichtigste Norm für hochsichtbare Warnkleidung. Sie ist relevant überall dort, wo gute Sichtbarkeit entscheidend für die Sicherheit ist.
EN 17353 betrifft Ausstattung zur erhöhten Sichtbarkeit für mittlere Risikosituationen.
EN 343 steht für Schutzkleidung gegen Regen und schlechtes Wetter.
DIN/TS 91418 betrifft aktiv leuchtende Warnkleidung als Ergänzung zu klassischer Warnschutzkleidung.
EN ISO 13688 regelt allgemeine Anforderungen an Schutzkleidung, zum Beispiel Ergonomie, Kennzeichnung und Größenangaben.
8. Schutzkleidung gegen Kälte, Hitze und Flammen – Welche Normen sind wichtig?
EN 14058 gilt für Kleidung zum Schutz in kühlen Umgebungen.
EN 342 gilt für Schutzkleidung gegen Kälte bei stärkeren Kälteeinwirkungen.
EN ISO 11612 betrifft Kleidung zum Schutz gegen Hitze und Flammen.
EN ISO 14116 beschreibt Materialien und Kleidung mit begrenzter Flammenausbreitung.
EN ISO 11611 gilt für Schutzkleidung für Schweißen und verwandte Verfahren.
EN 1149-5 ist relevant für Schutzkleidung mit elektrostatischen Eigenschaften.
9. Chemikalienschutzkleidung – Welche Normen gelten hier?
EN 14605 gilt für Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien mit höheren Anforderungen, etwa Typ 3 oder Typ 4.
EN 13034 betrifft Schutzkleidung mit eingeschränkter Schutzleistung gegen flüssige Chemikalien, meist Typ 6.
EN ISO 13982-1 gilt für Schutzkleidung gegen feste Partikel, oft bekannt als Typ 5.
EN 14325 beschreibt Prüfverfahren und Leistungseinstufungen für Chemikalienschutzkleidung.
EN ISO 6529 betrifft den Widerstand von Schutzkleidungsmaterialien gegen die Permeation von Chemikalien.
10. Feuerwehr, Spezialschutz und Sonderanwendungen – Welche Normen gibt es zusätzlich?
EN 469 gilt für Schutzkleidung für die Feuerwehr.
EN 1486 betrifft reflektierende Schutzkleidung für spezielle Brandbekämpfung.
EN 15614 gilt für Schutzkleidung der Feuerwehr bei der Brandbekämpfung im freien Gelände.
EN 443 betrifft Feuerwehrhelme.
EN 16471 gilt für Helme für Wald- und Flächenbrandbekämpfung.
EN 16473 betrifft Feuerwehrhelme für technische Rettung.
11. Was bedeuten EN- und ISO-Normen grundsätzlich?
EN steht für europäische Norm. ISO steht für internationale Normung. Viele Arbeitsschutzprodukte tragen heute kombinierte Bezeichnungen wie EN ISO 20345 oder EN ISO 21420.
Die Norm zeigt, nach welchen Anforderungen ein Produkt geprüft wurde. Sie sagt aber nicht automatisch, dass das Produkt für jede Tätigkeit geeignet ist. Entscheidend bleibt immer der konkrete Einsatzbereich.
12. Warum sind Normen im Arbeitsschutz so wichtig?
Normen schaffen Vergleichbarkeit und helfen dabei, persönliche Schutzausrüstung passend zur jeweiligen Gefährdung auszuwählen.
Sie sind eine wichtige Orientierung beim Kauf, ersetzen aber keine Gefährdungsbeurteilung und keine fachgerechte Auswahl für den konkreten Arbeitsplatz.